Am 24. April 1945 erreichte die Rote Armee die Wittenauer Heilstätten. Die Soldaten besetzten das Gelände und ließen die Patienten frei

 

Das Kriegsende

Bereits bei ihrem Vormarsch hatte die Rote Armee Zuchthäuser und Gefängnisse geöffnet und politische Gefangene freigelassen. Nun öffnete sie auch den Wittenauer Patienten die Tore. Die Soldaten hatten wegen der Anstaltskleidung und des Aufdrucks "Pol." auf den Krankengeschichten politische Gefangene vermutet. Jenes "Pol." bedeutete allerdings nur "polizeilich eingewiesen". Ein Arbeiter- und Soldatenrat wurde in den Heilstätten gegründet, ein Patient soll für einige Wochen das Amt des Direktors übernommen haben. Gleichzeitig nahm das Elend, der Hunger und die Bedrohung durch Infektionskrankheiten für die Wittenauer Patienten zu. Sie waren von der Versorgung durch den sich etablierenden Schwarzmarkt abgeschnitten. Die Folge war ein enormes Ansteigen der Sterbequote. Allein von Kriegsende bis Dezember 1945 starben 1.608 Kranke. 1946 und 1947 waren die Verhältnisse ähnlich. Die Zahl der Toten war so hoch, dass diese auf Karren gestapelt zum kleinen Anstaltsfriedhof gefahren und dort in Massengräbern beigesetzt werden mussten.